Sozial- und Erziehungsdienst

    Multifunktionsmenschen

    Multifunktionsmenschen

    Wer sind eigentlich diese HeilerziehungspflegerInnen?

    Wer ist eigentlich dieser Sozial- und Erziehungsdienst? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen. Über 34 Berufsgruppen fordern die Aufwertung ihrer Berufe in dieser Tarifauseinandersetzung - und streiken auch dafür. Susanne, Heilerziehungspflegerin, berichtet von ihrem Arbeitsalltag.

     

    Wir Heilerziehungspfleger machen viel mehr, als nur Rollstühle durch die Gegend zu schieben.

    Wer sind wir eigentlich?

    Wir sind Köche, Krankenschwestern, beste Freunde, Pädagogen, Klempner, Pfleger, Erzieher, Alleinunterhalter, Putzfrauen, Handwerker, Therapeuten, Laufburschen, Sekretäre, Fahrdienst, Haushälterinnen, Psychologen, Sänger, Künstler, Trainer, rechte Hand und noch vieles mehr.

    Das alles beschreibt uns.

    Wir alle haben eine 3-5jährige sehr intensive Ausbildung hinter uns, um fachlich und menschlich unseren Betreuten/Klienten auf die bestmögliche Weise zu Seite stehen zu können.

    Unser Ziel ist es, die Menschen, für die wir verantwortlich sind, so gut es geht zu integrieren, soweit es die Gesellschaft zu lässt. Wir wollen ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Es kommt auch vor, dass wir bespuckt, geschlagen, gewürgt, geschubst oder auch gebissen werden. In manchen Bereichen kann es auch vorkommen, das man mit dem Messer bedroht wird. Und trotzdem entgegnen wir diesem Verhalten mit Liebe, Zuneigung, Akzeptanz, Respekt und Geduld. Und was kriegen wir dafür?

    Sprüche von Fremden wie: „Respekt, dass ihr das macht. Ich könnte das nicht.“ oder „Schön dass es Menschen wie euch gibt.“ Von unserem Arbeitgeber bekommen wir allerdings keine angemessene Bezahlung.

    Unser Körper, v.a. der Rücken, muss einiges mitmachen. Schmerzen sind hier die Regel, da viele von uns mit Erwachsenen arbeiten, welche schwerste körperliche und geistige Behinderungen haben, dass wir auch viel Körperpflege betreiben müssen. Haben sie schon mal einen erwachsenen Mann vom Bett in den Rollstuhl gehoben? Bei uns steht das bei vielen auf der Tagesordnung – und oft mehrmals täglich.

    Doch von was sollen wir uns einen Ausgleich finanzieren?

    Urlaube sind für die meisten von uns zu teuer. Lassen sie doch mal ein Auto oder eine Waschmaschine kaputt gehen. Das stürzt die meisten von uns in Verzweiflung und Schulden. Darum wünschen wir uns eine unserer Leistung angemessene Bezahlung. Bitte bedenken sie, dass jeder von Ihnen irgendwann in seinem Leben auf Dienste wie unsere angewiesen ist. Sei es im Kindergarten, im Krankenhaus, mit Behinderung von Geburt an oder durch einen Unfall, oder im Alter.

    Wir Heilerziehungspfleger sind für Sie da. Egal welches Alter, ob geistige oder körperliche Behinderung, ob psychische oder seelische Behinderung, ob sie schlecht sehen oder hören, ganz egal. Wir sind in jedem Fall für sie da. Wie lieben unseren Beruf, aber nur von Nächstenliebe können auch wir nicht leben.

    Susanne, Heilerziehungspflegerin