Medieninformationen

    Kahlschlag bei den Schön Kliniken – „Tschüss“ statt „Hallo Mensch“

    88 von 400 Beschäftigten in München Schwabing vor ungewisser Zukunft

    Kahlschlag bei den Schön Kliniken – „Tschüss“ statt „Hallo Mensch“

    22.12.2020

     

    2.000 Beschäftigte aus allen 14 Klinikstandorten des Schön Konzerns sind von einer Teilbetriebsausgliederung betroffen. Mittlerweile wurden in allen Kliniken die ersten Vorbereitungen durch einen Gemeinschaftsbetrieb auf den Weg gebracht. Im nächsten Schritt soll das nicht-medizinische Personal in eine eigene Holdinggesellschaft des Schön Klinik Konzerns ausgegliedert werden. „Gerade in der teuren Stadt München fordert ver.di, dass alle Beschäftigten weiter nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt werden. Lohnsenkung passt nicht in die Zeit“ kritisiert Gewerkschaftssekretär Christian Reischl.

     

    Dabei gehört der Konzern zu den deutlichen Gewinnern der Corona-Krise. Laut Medienberichten wurde der operative Gewinn im ersten Halbjahr 2020 um 51,8 Millionen Euro verdoppelt.

     

    Am 29. Juli 2020 wurden die Betriebsräte aller Schön Kliniken, nur wenige Stunden vor den Belegschaften, darüber informiert, dass es zu einer Neuaufstellung der nicht-medizinischen Bereiche kommen wird. Das heißt, der Konzern überführt deutschlandweit ca. 2.000 Beschäftigte in eine Gruppenholding, mit dem Ziel der Erbringung von Service- und Managementleistungen.

     

    In München wurde im ersten Schritt ein Teilbetriebsübergang nach § 613a BGB unter Begründung eines Gemeinschaftsbetriebs zwischen der Schön Klinik Holding SE und der Schön Klinik München Schwabing SE & Co. KG zum 01.10.2020 vollzogen. Der Standort bleibt erhalten. Es gibt keine organisatorische Trennung und einheitliche personelle Führung.

     

    Nun soll im zweiten Schritt eine Betriebsänderung nach § 111 BetrVG im Zuge einer Spaltung der beiden Betriebe folgen. Diese soll nach Abschluss eines Interessenausgleichs (und ggf. eines Sozialplans, der nach Ansicht des AG nicht notwendig sein wird) durchgeführt werden.

     

    Verbunden ist damit der Verbleib des Betriebs am Standort, aber organisatorische Trennung und eigenständige personelle Führung. Ab Betriebsspaltung werden Service- und Managementaufgaben als Dienstleistungen in der Klinik erbracht.

     

    Wie Dr. Ivančić betonte, erfolge diese Umsetzung in enger Abstimmung mit den Betriebsräten. Hier gehen jedoch die Meinungen auseinander. Der Betriebsrat in München Schwabing bringt an: „Aus unserer Sicht kann man nicht von einer umfassenden und rechtzeitigen Information sprechen – nur Stunden vor den Kolleginnen und Kollegen und zwei Tage, bevor die erste Umsetzung erfolgen sollte. Auch die Durchführung – deutschlandweit alle betroffenen Betriebsräte am selben Tag, innerhalb weniger Stunden zu informieren – spricht dafür, dass das Ganze lange im Vorhinein geplant war.“ Um die Beschäftigten und ihre Vertretungen zu überrumpeln? „Fakt ist auch, dass in keiner der betroffenen Kliniken ein Sozialplan abgeschlossen werden soll. Eine vom Betriebsrat angerufene Einigungsstelle (unter einem externen Vorsitzenden) wurde abgelehnt.

     

    „Das ist der Kurs der Schön Klinik-Gruppe auf maximale Eskalation“, kritisiert Gewerkschafter Reischl. Das ist eine Beschneidung der Betriebsräte und ihrer Mitbestimmung – zu Ungunsten der Beschäftigten im Betrieb“, so Reischl, ver.di Gewerkschaftssekretär für München.

     

    Weitere Informationen:

    Christian Reischl, Gewerkschaftssekretär Gesundheitswesen

    Tel. 0170 / 574 90 23