Pfennigparade

    Befristete Beschäftigung ist prekäre Beschäftigung!

    Vertrauensleute Pfennigparade

    Befristete Beschäftigung ist prekäre Beschäftigung!

    Befristete Beschäftigung ist prekäre Beschäftigung! ver.di München 140930_Befristete Beschäftigung ist prekäre Beschäftigung!

    Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) stellen befristete Arbeitsverträge eine Ausnahme zum normalen Arbeitsvertrag dar und sind daher nur zulässig, wenn ein Grund für die Befristung vorliegt. Die Gründe für eine Befristung sind abschließend im TzBfG geregelt.

    Dennoch wurde das TzBfG dem Arbeitgeber die Möglichkeit eingeräumt, befristete Arbeitsverträge auch ohne Sachgrund abzuschließen. Für diese Art von Arbeitsverträgen gelten bestimmte gesetzliche Regelungen, um einer Willkür und dem Abschluss von Kettenbefristungen durch Arbeitgeber vorzubeugen. Ein befristeter Arbeits-vertrag ohne Sachgrund darf so z. B. nur bis zu einer Höchstdauer von maximal 2 Jahren abgeschlossen werden und nur für Neueinsteiger in einem Unternehmen.

    Werden in einem Unternehmen befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund abgeschlossen, ist das kein Zeichen eines guten Personalmanagements sondern zeigt, dass der Arbeitgeber zu Lasten der Mitarbeiter Instrumente nutzt, um z.B. das Kündigungsschutzgesetz auszuhebeln und die Probezeit zu verlängern. Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen hingegen haben die Nachteile eines unsicheren Arbeitsplatzes mit allen Folgen der eingeschränkten privaten Planbarkeit von Familie und Finanzierungen sowie der damit einhergehenden psychischen Belastung zu tragen. In München sind sie überdies auf dem Mietmarkt benachteiligt, weil Vermieter ihre Räumlichkeiten natürlich bevorzugt an „sichere“ Klienten vergeben. Und sie trauen sich im Betrieb seltener den Mund aufzumachen, wenn gegen tarifvertragliche Rechte verstoßen, nicht mitbestimmte Mehrarbeit angeordnet oder gegen Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetze verstoßen wird. Weil viele auf eine Übernahme in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis hoffen.

    Dennoch nutzen auch die Gesellschaften der Pfennigparade das Mittel der befristeten Beschäftigung. Mit Stand Sommer 2014 gab es insgesamt 203 befristete Arbeitsverträge, davon gut 50% sachgrundlos! Somit sind 14% unserer Beschäftigten von Befristung betroffen. ver.di – Kolleginnen, die auch Konzernbetriebsratsmit-glieder sind, haben den Vorstand hierauf angesprochen, der sich aber darauf berief, lediglich die gesetzlichen Möglichkeiten zu nutzen. Prof. Dr. Wasel meinte, damit würden ja auch bei plötzlichem Kundenschwund wie zuletzt bei Ambulante Dienste GmbH durch Todesfälle betriebsbedingte Kündigungen vermieden… Er übersieht dabei in unseren Augen, dass dieses Konstrukt das unternehmerische Risiko einseitig auf die befristet Beschäftigten verlagert, die nahezu schutzlos sind – bei bevorstehenden betriebsbedingten Kündigungen sind dagegen unter Beteiligung der Betriebsräte alle Alternativen zu prüfen, es ist eine gerechte Sozialauswahl zu treffen und die Betroffenen erhalten in aller Regel eine Abfindungszahlung.

    Bei der Deutschen Post, Niederlassung München, die ganz ähnliche Zahlen aufweist (15% der dort Beschäftigten befinden sich in befristeten Arbeitsverhältnissen) gab es vor kurzem eine Aktion von gut 50 KollegInnen vor dem Briefzentrum Arnulfstraße: Fest angestellte Beschäftigte nahmen die mit befristeten Verträgen sinnbildlich in die Mitte, stellten sich also von allen Seiten schützend vor sie und zeigten dem Arbeitgeber, unter dessen Bürofenstern sie sich versammelt hatten, die „rote Karte“ mit der Aufschrift „Nein zu Befristungen!“.

    Möglicherweise wäre eine ähnliche Aktion ja auch an einem der Standorte der Gesellschaften der Pfennigparade vorstellbar…

    Eure ver.di – Vertrauensleute in den Gesellschaften der Pfennigparade