Betriebsgruppe UBIS

    Outsourcing, mal anders?

    Entwickler werden in Factories (Fabriken) zusammengefasst

    Outsourcing, mal anders?

    Maschinenmaria frei Maschinenmaria

    "Outsourcing bietet Chancen auf Kostensenkungen und die Variabilisierung fixer Kosten bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität, die Reduktion der Komplexität von Prozessen und die Fokussierung knapper Ressourcen auf das Kerngeschäft.

    Grenzen des Ansatzes ergeben sich durch Kontrollverluste, eventuelle Abhängigkeiten vom externen Anbieter, die auf kurz- bis mittelfristige Sicht bestehende Irreversibilität der Outsourcing-Entscheidung, Schnittstellenproblematiken, Sicherheitsbedenken, Know-how-Verluste oder Motivationsprobleme innerhalb des eigenen Unternehmens."

    So hat's der Manager in seinem Wiki stehen.
    http://www.manager-wiki.com/strategieumsetzung/56-outsourcing
    (Zuletzt aufgesucht 16.11.2017)

    Die aktuelle „Organisationsänderung“ im Commercial Banking der UBIS IT beschreibt ein „virtuelles“ Outsourcing mit allen oben genannten Nachteilen aber ohne die oben erwähnten Vorteile.

    •  Die IT „Commercial Banking“ wird nicht mehr nach Themen, sondern nach Funktionen aufgeteilt. Bestehende Teams werden aufgeteilt.
    • Themenbezogen bleibt lediglich eine kleine Einheit, die für die Planung von „Produkten“ verantwortlich ist und auch Kontakt zum Kunden hat.
    • Alle anderen Tätigkeiten (auch nicht-technische) werden in „Software-Factories“ zusammengefasst. Dadurch ist deutlich, dass hier nicht nur Programmierer gemeint sind
    • Diese Software Factories sind selbst wieder nach Ländern eingeteilt. Da die MitarbeiterInnen sich zunehmend nicht im Skill, sondern nur noch im jeweiligen nationalen Lohnniveau unterscheiden, verschärft dies den ohnehin bestehenden Wettbewerb um den niedrigsten Tagessatz.

    Damit hat die Umorganisation – obwohl zunächst nur virtuelles Outsourcing – bereits mehrere der oben erwähnten Gefahrenpunkte erreicht:

    • Kontrollverluste: die Beziehung zwischen Entwickler und Produktmanager wird aufgebrochen. Durchlaufzeiten werden schwer vorhersehbar.
    • Da die Mitarbeiter der Software Factories zunehmend nach Tagessatz und nicht nach fachlicher Erfahrung eingesetzt werden, entfremden sie sich von ihrem Thema, es droht Know-How-Verlust.
    • Schnittstellenproblematiken: der „Produktdesigner“ ist die einzige Schnittstelle zum Kunden. Obwohl in den Präsentationen Wörter wie „Agile“ und „Devops“ verwendet werden, weist dies nicht auf ein agiles Verfahren hin, vielmehr auf eine weltfremde Sicht auf IT.
    • Motivationsverluste werden bei dem zunehmenden Abstand von Produkt und Kunde auf der einen Seite und Entwickler auf der anderen nicht ausbleiben. Denn Maschinenmaria aus Metropolis - man erinnere sich - hat auch Motivationsprobleme bekommen - trotz ihrer Cybernatur.

    Die Reorganisation soll in Wellen („Waves“) stattfinden: diese Wellen werden die Menschen gemäß ihrem „Skill“ an ihre entsprechenden Stellen schwemmen. Erklärterweise hat dieses Skill nichts mit der jeweiligen Einstufung des MA zu tun. Deshalb kann auch eine Differenz zwischen Stelle und MA auftreten: man ist dann schiffbrüchig. Unklar bleibt auch ob das Skill am MA oder an der Stelle hängt.

     

    Dass man an eine Stelle geschwemmt wird, darf man durchaus so verstehen, dass die MA keine Möglichkeit haben, an dieser Bewegung mitzuwirken.

     

    Zwei Deutungen lässt die Maßnahme zu:

    1.     Es handelt sich um ein Versprechen an den unzufriedenen Kunden, besser zu werden. Das würde auch den unmotivierten Einsatz von Modewörtern aus der IT begründen.

    2.     Die Maßnahme ist erst der Anfang: Nearshoring (Auslagerung nach Rumänien, Polen o.ä.) könnten folgen. Im schlimmsten Fall ein reales Outsourcing.

    Da die Verwendung von Schlagworten keine Kosten spart, befürchten wir die Beendigung des deutschen Standorts für Entwicklung. Dies beträfe alle KollegInnen im Projektpool, nicht nur die Programmierer.

     

    Um die MitarbeiterInnen zu schützen, fordern wir:

    1.     Zusätzliche Ausbildung für die Betroffenen, so dass sie ihr Skill an mögliche neue Anforderungen anpassen können.

    2.     Nicht nur einen Kündigungsschutz und die Zusicherung der Beschäftigtenzahl (FTE), sondern auch eine Zusicherung, des Erhalts qualitativ hochstehender Funktionen am Standort Deutschland.

    3.     Diese Zusicherung in Form eines Sozialtarifvertrags.

    Zu sehr erinnert die Maßnahme an die Vergangenheit, wo durch die Abspaltung von Projekt/Entwickler-Pools
    jeweils Outsourcings vorbereitet wurden.
    Diese Maßnahmen waren weder betriebswirtschaftlich
    noch für die Mitarbeiter ein Erfolg.