Betriebsgruppe Sozialreferat

    Offener Brief zur Umstrukturierung BSA VMS FhV

    Sozialreferat

    Offener Brief zur Umstrukturierung BSA VMS FhV

    Offener Brief der ver.di Betriebsgruppe Sozialreferat München an:

    • die Sozialreferentin Frau Schiwy,
    • die Mitglieder vom Sozialausschuss & KJHA,
    • die Kolleginnen und Kollegen im Sozialreferat LHM.

    Umstrukturierung der BSA, VMS und FhV

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    liebe Kolleginnen und Kollegen,

    aufgrund der politischen Entscheidung die Bezirkssozialarbeit (BSA) sowie die beiden weiteren Fachlichkeiten, die Vermittlungsstelle für Hilfen zur Erziehung (VMS) und die Fachstelle häusliche Versorgung (FhV) massiv umzustrukturieren, hat sich die ver.di Betriebsgruppe des Sozialreferats München damit ausführlich beschäftigt.

    Wir stellen fest, dass wir die Art und Weise des Zustandekommens, nämlich ohne Beteiligung von uns Beschäftigten, nicht nachvollziehen können und auch keine fachlichen Gründe genannt bekommen haben, die eine unmittelbare Notwendigkeit eines solchen massiven Umbaus rechtfertigen. Die im Schreiben von Sozialreferentin Frau Schiwy erwähnte, bislang geheim tagende Arbeitsgruppe, welche sich nun weiter mit der Umstrukturierung auseinandersetzen soll, repräsentiert aus unserer Sicht nicht die Belange der Beschäftigten. Aus all diesen Gründen heraus lehnen wir die Entscheidung für ein Zwei-Dienste-Modell grundsätzlich ab.

    Gleichwohl scheint es politisch gesetzt zu sein. Die beiden Mehrheitsparteien SPD und CSU haben die Stoßrichtung der Umstrukturierung in ihren Anträgen von 2015 Kund getan, wenngleich auch in diesen Anträgen nur eine äußerst knappe inhaltliche Begründung zu Grunde gelegt ist. Kernpunkt war es hierbei im SBH einen Dienst für Menschen über 65 Jahre einzurichten. Auch im Gesamtkonzept Münchner Altenhilfe wurde inhaltlich ausschließlich in diese Richtung diskutiert. Dies alles scheint der Spitze des Sozialreferats und den beiden Parteien jedoch auszureichen, um nun 600 Arbeitsplätze in einem fachlich hoch sensiblen Bereich gänzlich auf den Kopf zu stellen. Grund genug für uns als Gewerkschaft hier Position zu beziehen.

    Wir appellieren an die externen und internen Entscheidungsträger die offensichtlichen Eigeninteressen einzustellen und in einen Diskurs einzutreten, der davon geprägt sein soll, was die Bürgerinnen und Bürger von ihrer BSA, VMS und FhV zukünftig fachlich erwarten und was die Beschäftigten an guten Arbeitsbedingungen vorfinden dürfen.

    Unsere Forderungen, die in den Arbeitstreffen der Betriebsgruppe aufgestellt wurden:

    • Die Sozialreferentin möge eine zeitnahe Mitarbeiterversammlung für alle betroffenen KollegInnen einberufen.
    • Wir fordern ab sofort eine Beteiligung der Beschäftigten wie auch der Gewerkschaft ver.di ein.
    • Wir wünschen eine transparente Zeitschiene vorgelegt zu bekommen, bis wann mit welchen Maßnahmen strukturell wie fachlich zu rechnen ist.
    • Gerüchten nach beabsichtigt das POR ab sofort neue KollegInnen der BSA bereits jetzt in S12 einzugruppieren. Dies ist ohne wirkliche Festlegung auf ein Modell und ohne Personal-bemessung verfrüht. Wir fordern weiterhin eine tarifgerechte Eingruppierung in S14.
    • Die Wertschätzung Sozialer Arbeit zeichnet sich auch durch eine angemessene Eingruppierung aus. Dies betrifft aber alle Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeit – sowohl im öffentlichen Dienst wie bei den freien Trägern. Ver.di München ist selbstverständlich und gerne bereit die Forderungen für den Sozialdienst aus 2015, gemeinsam mit den Arbeitgebern aufleben zu lassen.
    • Wir fordern eine gesetzliche Fallzahlobergrenze im Kinderschutz! Jetzt erst recht - zu unserem Schutz und als Qualitätskriterium!
    • Nehmen Sie bitte abschließend unsere hier unten aufgeführten Fragen zur Kenntnis. Verbunden mit der Forderung, dass diese in einem gemeinsamen Dialog baldmöglichst aufgegriffen und beantwortet werden:

    Unsere Fragen:

    1. Ist die aktuelle Entscheidung fachlich notwendig und bis zum Ende durchdacht?
    2. Welche fachlichen Argumente gibt es für die Einführung des 2-Dienste-Modells und die Auflösung der VMS und FhV?
    3. Ist es notwendig Spezialwissen der VMS und FhV, das über Jahre angesammelt wurde, aufzugeben?
    4. Warum wird die ganzheitliche Arbeit der BSA aufgegeben?
    5. Wo bleibt die Wertschätzung der bisher geleisteten Arbeit?
    6. Wie lässt sich der Auftrag erfüllen, die Wirtschaftlichkeit einzuhalten, wenn in jedem der 2 Dienste alle alles machen?
    7. Steigt die Belastung, wenn der „BSA-Dienst für Familien“, die meiste Zeit Krisen bearbeitet?
    8. Hat der „BSA-Dienst für Erwachsene“ in der Arbeit mit und für ältere Menschen bei gleichem Personal wirklich mehr Zeit zur Verfügung, fehlt diese dann in der Arbeit mit Familien?
    9. Wie wird die Vertretungssituation unter den Beschäftigten im kleinen Fachdienst „BSA für Erwachsene“ sein?
    10. Wer macht die Arbeit, während die BSA/VMS/FhV in den jeweils anderen Aufgabengebieten geschult werden?
    11. Was ist mit den KollegInnen, die die neuen Anforderungen nicht machen wollen oder können?
    12. Wie ist die Arbeit bei den bereits jetzt existierenden freien Stellen durch Fachkräftemangel und Fluktuation zu leisten?
    13. Wer fängt die zusätzliche Fluktuation auf, die eine Veränderung in diesem Ausmaß mit sich bringt?
    14. Unter welchen Bedingungen kann qualifiziertes Personal gewonnen werden, insbesondere zu Zeiten des Fachkräfte- mangels?
    15. Welche Wechsel- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es dann noch?
    16. Ist eine „freiwillige“ Entscheidung für S12 im teuren München für alle möglich und zumutbar?
    17. Wie wirkt sich die unterschiedliche Eingruppierung auf die Zusammenarbeit in der BSA aus?
    18. Wie lässt sich Zufriedenheit, Motivation und langfristiger Verbleib der Beschäftigten herstellen? Gibt es dafür überhaupt ein Interesse?
    19. Wie wirkt sich die Umstrukturierung auf die Kundenfreundlichkeit und Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern aus?
    20. Wie wirkt sich die Aufgabenausweitung auf die fachliche und digitale Arbeitsweise, auf die Leitungsaufgaben, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Hilfesuchenden aus?

    Immens viele Fragen. Wann sollen diese beantwortet werden, wenn nicht jetzt!

    Die Fragen und Argumente der Fachfrauen und –männer an der Basis müssen ernst genommen werden!

    Mit freundlichen Grüßen

    gez.
    Merle Pisarz / Gewerkschaftssekretärin
    für die ver.di Betriebsgruppe Sozialreferat München