Frauen und Gleichstellung

    Gemeinsam für höhere Löhne & Arbeitszeitverkürzung

    Gemeinsam für höhere Löhne & Arbeitszeitverkürzung

    Kommentar zum EqualPayDay 2016

    Am 19.3.2016 ist der sogenannte EqualPayDay, also der Tag, bis zu dem Frauen seit Jahresbeginn arbeiten mussten, um dasselbe Gehalt zu erhalten wie ihre männlichen Kollegen bereits zum 31.12. hatten. Im Durchschnitt verdienen Frauen in Deutschland 21,6% weniger als ihre Kollegen. Das liegt nicht ausschließlich daran, dass Frauen in gleichen Berufen schlechter entlohnt werden, sondern vor allem daran, dass viele Frauen lediglich Teilzeit- und befristet arbeiten. Prekäre Arbeitsverhältnisse in "typischen" Frauenberufen wie Pflege, Kindererziehung, Reinigung, usw. werden deutlich schlechter bezahlt. Aber sogar bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und gleichem Betrieb erhalten Frauen ca. 12 % weniger Entgelt.

    Die Einführung des Mindestlohns hat den Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern im vergangenen Jahr lediglich etwas verringert. Durchschnittlich 16,20€ brutto verdienten Frauen 2015, also rund 21 Prozent weniger als Männer (20,59€). Im Jahr zuvor lag der Abstand bei 22%. Dabei sind Einkommensunterschiede vor allem ein westdeutsches Problem: In den alten Bundesländern liegt die Schere bei 23% während es in den neuen Ländern nur rund acht Prozent sind.

    Die Lohnunterschiede sind also vor allem ein Problem, das von Männern wie von Frauen angegangen werden muss: Wenn vor allem niedrigbezahlte Arbeitsverhältnisse vorherrschen, die wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernehmen sollen, ist das auch ein Problem der männlichen Beschäftigten. Die Aufwertungskampagne im Sozial- und Erziehungsdienst war ein erster Schritt, diese Berufe aufzuwerten und auch 2016 wird ver.di in vielen Bereichen versuchen, prekäre Arbeitsverhältnisse einzudämmen, höhere Löhne zu erkämpfen und damit auch einen Teil der Ungleichheit beseitigen.

    Denn von vielen Entlohnungen kann frau nicht leben. Dadurch entstehen auch Abhängigkeiten, z.B. von ihrem Freund/Mann/Partner*, der mehr verdient und dadurch entsteht auch die klassische Aufteilung in Hausarbeit und Erwerbsarbeit. Dieses Verhältnis ist weder für Frauen noch für Männer von Vorteil: Viele Frauen, die Teilzeit arbeiten, wollen gerne mehr arbeiten - auch um mehr Geld zu verdienen. Gleichzeitig würde ein Großteil der männlichen Beschäftigten gerne weniger arbeiten, um mehr Zeit für Familie, Freizeit, Beziehung zu haben. Gesamtgesellschaftlich gibt es die Möglichkeit einer Arbeitszeitverkürzung bereits: Durchschnittlich 35,3 Stunden arbeiten Beschäftigte in Deutschland in der Woche. Die Arbeit ist allerdings ungleich verteilt und ungleich entlohnt. Wenn wir gemeinsam für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich kämpfen würden, würde das auch einen Teil des Lohnunterschiedes beseitigen.

    Überdurchschnittlich viele Frauen organisieren sich in ver.di. Frauen hatten und haben die Mehrheit in diser Organisation. Und ihre Quote steigt weiter kontinuierlich an. 2015 lag sie bei 52,02 Prozent. Mit 76.397 von insgesamt 131.913 Eintritten entfielen 57,91 Prozent aller Eintritte im letzten Jahr auf Frauen.

    Weibliche Beschäftigte sind das Rückgrad von ver.di und oft der kämpferischste Teil in Tarifauseinandersetzungen - sei es im Öffentlichen Dienst, im Einzelhandel oder in der Plege. Damit das honoriert wird, müssen gute Abschlüsse und hohe Lohnerhöhungen rauskommen - aber auch prekäre Arbeitsverhältnisse, Befristungen usw. eingedämmt werden.

    Tom Talsky

     

    *Andere bzw. komplexere Beziehungsformen wurden ausgeklammert, um die Darstellung zu vereinfachen.

    Equal Pay Day © Copyright BPW Germany e.V

    Equal Pay Day 2016 19.03.2016, 09:30 – 17.03.2016, 15:00 Frauengipfel zum Equal Pay Day